Das optimale Fischphoto

Die Scheiben sind von innen und außen gereinigt und der Raum ist abgedunktelt. Der alte, wackelige Barhocker aus dem Keller wurde zum Stativ umfunktioniert, Nervennahrung in Form von einer Tasse Kaffee und einer Tüte Gummibärchen ist vorbereitet, der Aquarienphotograph ist hochmotiviert, hockt sich hinter die Kamera und wartet auf den günstigen Augenblick für das optimale Fischphoto.

Nach zehn Minuten fangen die Augen zu tränen an, weil er beim Starren aufs Display das Blinzeln vergessen hat. Kein einziges Exemplar der liebevoll gepflegten Fischsuppe ist bisher durch den 10 x 10 cm Ausschnitt geschwommen. Die armen Kleinen habe sicher Angst vor der Kamera.

Hektische Bewegungen vermeidend nimmt der Photograph die Kamera in die Hände und schwenkt durchs Becken. Irgendwo müssen sie ja sein. Da ist ein Guppy! Fokussieren, knippsen und … auf dem Display ist gerade noch eine verwischte Schwanzflosse zu sehen, die auch nur mit viel Phantasie als solche zu erkennen ist. Dieses Spiel wiederholt sich ungezählte Male ohne nennenswerten Erfolg. So geht es nicht. Die dummen Fische halten nicht still.

Das Equipment wird umgebaut, der Stuhl verschoben, die Kamera anders positioniert, der mittlerweile kalte Kaffee getrunken und der Photograph begibt sich wieder hinter der Kamera hockend in Lauerstellung und mampft Gummibärchen.

Eine Garnele kommt emsig den Bodengrund durchwühlend ins Bild und bleibt stehen. Der Photograph zuckt zusammen, schmeißt die Gummibärchentüte auf das Sofa und fokussiert die freundlich lächelnde Garnele. Als diese sieht, dass der Finger den Auslöser langsam durchdrückt, winkt sie nochmal mit dem linken Fühler und flitzt aus dem Bild. Scheiß Vieh!

Völlig entnervt beschließt der Photograph sich an einfacheren Motiven zu versuchen um die Session wenigstens mit einem guten Bild abzuschließen. Die Dank guter Fütterung so zahlreich vorhandenen Schnecken sind hervorragende Photomodelle und nett aussehen tun sie außerdem. Blöderweise habe sie sich ausgerechnet heute völlig unsichtbar gemacht. Wie überall im Leben sind die, die man gerade braucht, nie da.

Was letztendlich bleibt ist eine Pflanze zu photographieren. Des Photographen Lieblingsmotiv, die Anubias, hat vom letzten Wasserwechsel noch eine dicke Luftblase an der Unterseite eines Blattes hängen. Die sollte sich doch gekonnt in Szene setzen lassen! Die Kamera in Position, die Luftblase fokussiert, der Auslöser wird durchgedrückt und … Diese verfluchten Guppys! Müssen die ausgerechnet jetzt durchs Bild schwimmen?!

Dem Photographen reicht’s. Er gibt auf und räumt seinen Kram weg. Bevor er den Raum verlässt, schmeißt er noch eine Futtertablette ins Aquarium. Verdient haben die Mistviecher die Belohnung zwar nicht, aber was soll’s. Beim Anblick des Futterneidgewusels sinnt er auf Rache und zückt ein letztes Mal die Kamera. Diesmal mit Blitz, das habt ihr nun davon!

So gibt es heute doch noch Guppy- und andere Photos:

Dieser Beitrag wurde unter Zeugs abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Kommentare zu Das optimale Fischphoto

  1. Katja sagt:

    Hallo Stephanie,

    *lol* herrlich erzählt und da hab ich doch glatt das ein oder andere wiedererkannt.. *kicher*
    Schönes Guppyfoto!

    LG
    Katja

  2. Doreen sagt:

    Hallo Stephanie,

    toll zu lesen *grins*
    sehr unterhaltsam.
    Ich mach immer lieber ein paar mehr Fotos und meist sind darunter ein paar wenige die für meine Zwecke reichen. Der Rest wird gelöscht :-)

    Liebe Grüße,
    Doreen

  3. magerquark sagt:

    Hallo ihr Zwei und Danke für die Blumen. :-)

    @Doreen
    Ja, das mache ich auch immer. Manchmal sind es locker 100 Stück, von denen eine Hand voll übrig bleibt. *augenroll* Meine Kamera ist nicht die beste für sowas, ist halt eine kompakte Digitalkamera.

    Gruß
    Stephanie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.